Es existiert heute ein weitgehendes gesellschaftliches Einverständnis darüber, dass Antisemitismus moralisch verwerflich und daher politisch zu verurteilen sei. Doch die philosophisch-ethische Begründung für diese Ablehnung kann nicht nur aus der deutschen Vergangenheit geschöpft werden – das beweisen nicht zuletzt die aktuellen Debatten um die Definition des Antisemitismus mit Blick auf den Zionismus, sowie die modernen Umdeutungsversuche des Holocaust. Der Workshop stellt sich daher die Aufgabe, eine abstraktere, unpolitische Erklärung des Antisemitismus zu erarbeiten, die vor allem darauf zielt, seine moralische Verurteilung zu rechtfertigen. Hierbei wird Hannah Arendts Eichmann-Buch zur Hilfe genommen, indem die Frage des Antisemitismus eine zentrale Rolle für die Schuld des Angeklagten spielt. Es ergeben sich drei Möglichkeiten: Antisemitismus als jüdisches Schicksal, von Gott bestimmtes ewiges Leiden, Antisemitismus als Folge jüdischer „Schwäche“, für die der Zionismus die Alternative bieten soll, und die viel diskutierte „Sündenbock-Theorie“ – Antisemitismus als Form des Rassismus.
Nach einem theoretischen Einführungsvortrag (Begründungen des Antisemitismus und ihre ethischen Grundlagen) werden gemeinsam Texte von Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und Hermann Cohen diskutiert. Die Texte werden vorher bekanntgegeben bzw. verschickt.
Auswärtige Teilnehmer:innen können einen Zuschuss zu Reise- und Übernachtungskosten beantragen. Die verbindliche Anmeldung wird erbeten bis zum 1. Juni an: sekretariat.judaistik@uni-hamburg.de
18.6.2026, 16–19 Uhr
Institut für Judaistik, Vortragssaal
Jungiusstraße 11, Hamburg
